„Zwei Vereine, die auf Augenhöhe sind!“ – Ein ehrliches Interview mit den beiden Dresdner Trainern

Das erste Mal in der Geschichte des Dresdner Tamburelloturnieres traten zwei Dresdner Vereine in der Damenkonkurrenz an. Das gibt die Gelegenheit ein Interview mit den beiden Trainern zu führen.

Laszlo Hadas von der Spielvereinigung Dresden Löbtau und René Puschnik vom SV Sachsenwerk.

René, schildere doch einmal die Vorrunde aus Sicht des SV Sachsenwerk?

Tamburello Dresden LogoRene: Da es für mich das erste Turnier als Trainer war, war die Aufregung entsprechend groß. Das erste Spiel durften wir gegen „alte“ Bekannte aus Beauvais bestreiten. Dadurch hat sich die Nervosität bei mir und der Mannschaft etwas gelegt. Die Mädels haben dann gut ins Spiel gefunden, ihre Chancen genutzt und das Spiel souverän zu Ende gespielt. Damit hatten wir den ersten Sieg in der Tasche und konnten etwas lockerer in den weiteren Turnierverlauf gehen. Das zweite Spiel gegen Roén aus Italien war etwas schwieriger, da sie leistungsstärker waren. Wir haben auch dort versucht unser Bestes zu geben. Der Italienische Trainer hat im gesamten Spielverlauf seine Topbesetzung auf dem Feld gelassen und so war es am Ende eine klare Angelegenheit für Roén. Im letzten Gruppenspiel ging es gegen Hannover um Platz 2 in der Gruppe. In diesem Spiel haben wir auch verschiedene Aufstellungen ausprobiert. Ich habe dort auch Denise die Möglichkeit zum spielen gegeben. Trotzdem hat das Team die Aufgabe sicher gemeistert und einen Sieg eingefahren. Für das Team aus Löbtau war es nicht ganz so klar oder wie sieht das der Trainer?

Ich gebe die Frage einfach mal weiter.

Laszlo: Wir musLogo_TAM_Loebtausten im ersten Spiel gegen Angyalfold aus Ungarn antreten. Im neu zusammengestellten Team mit Mandy, die 5 Jahre nicht gespielt hat, Monic, die noch Trainingsrückstand hat und mit Federica, hat sich ein Spielverlauf gezeigt, den ich mit meinen bisherigen Teams so nicht hatte. Bei meiner letzten Trainerstation beim SV Sachsenwerk war es so, dass wir Spiele gut begonnen haben und dann mit der Leistung abgefallen sind. Wir haben es dann oft nicht geschafft, ins Spiel zurück zu finden. Das neu formierte Team brauchte etwas um ins Spiel zu kommen (Zwischenstand 1:7). Wir kamen dann aber besser rein (10:9) und haben in einem engen Spiel knapp 12 zu 13 verloren. Im zweiten Spiel gegen Münster, die im Indoor noch sehr unerfahren sind und sicher noch einige Jahre brauchen werden, konnten wir unsere Erfahrung ausspielen und sehr deutlich gewinnen. Im letzten Spiel gegen Brasilien hat sich gezeigt, dass in Südamerika ein anderer Stil gespielt wird. Sehr viele harte Schläge und gute Laufarbeit. Aber wir haben uns gut behauptet. Sind im Spielverlauf auch noch einmal gut heran gekommen. Haben dieses Spiel dann mit 10 zu 13 verloren. Durch den 10. Satzgewinn gab es dann denn Zusatzpunkt, der zum Erreichen des Halbfinales notwendig war. Dabei tut es mir persönlich für die Spielerinnen aus Angyafold leid, dass sie dadurch das Halbfinale nicht erreicht haben. Ich denke es war eine Menge Glück dabei für uns und mich hätte es auch wenig gestört, wenn wir in der Vorrunde ausgeschieden wären. Ich finde es für ein neues Team immer gut, wenn man auch im ersten Turnier die Grenzen aufgezeigt bekommt und sieht, woran man noch arbeiten muss.

Und damit sind wir auch schon beim Sonntag. Es stehen die Halbfinals auf dem Plan. René ihr musstet jetzt gegen Brasilien ran.

René: Wir konnten ja am Samstag schon sehen, was die Brasilianerinnen drauf haben. Wir haben uns daher für dieses Spiel nicht so viel ausgerechnet. Wir wollten uns gut präsentieren. Was uns auch zu Spielbeginn ganz gut gelungen ist. Aber die Mädels aus Südamerika waren uns lauftechnisch weit überlegen. Sie haben viele gute Bälle von uns noch erlaufen. Auf unserer Seite hat immer der halbe Schritt gefehlt. Daher war nie eine reelle Siegchance vorhanden. Wir haben trotzdem gut mitgespielt und allen Spielerinnen nochmal Einsatzzeiten gegeben. Es war interessant gegen die Brasilianer und die für uns Europäer ungewohnte Spielweise zu spielen. Wir haben viele Sachen gelernt in diesem Spiel. Glückwunsch an die Mädels vom Zuckerhut und wir freuten uns jetzt auf das Spiel um Platz 3.

Man muss dazu sagen, es war der spätere Turniersieger und da ist es keine Schande zu verlieren.

Rene: Ja, richtig!

Laszlo, wie sieht deine Sicht zum Halbfinale gegen Roén aus?

Laszlo: Wir haben verloren!

Ja, zu 13!

Laszlo: Ja richtig, zu 13. Wir haben einer Mannschaft gegenüber gestanden, der im Training die Technik regelrecht eingeschliffen wird und das von der Pike an. Alberto, der Trainer aus Roén sagte vor dem Spiel, dass seine Spielerinnen im Training kontinuierlich und konsequent Angriffsschläge und Aufschläge trainieren, bis in die kleinsten Nuancen der Technik. Und das ist ein Punkt, der den deutschen Mannschaften Schwierigkeiten bereitet. Die beiden Dresdner Damenteams sind in Deutschland die Besten. Aber auch sie scheitern an dieser Kontinuität der Italienerinnen. Das war auch in diesem Halbfinale so. Zwischendurch hatte ich mir etwas mehr ausgerechnet und es hätte etwas besser laufen können. So war ich etwas unglücklich. Aber nicht deshalb, weil wir nicht ins Finale eingezogen sind, sondern weil es im Spiel um Platz 3 gegen den SV Sachsenwerk ging.

Und da sind wir auch schon bei Spiel um Platz 3. Es ist ja eine Weltneuheit, zwei Dresdner Vereine (Spielvereinigung Dresden Löbtau und der SV Sachsenwerk) spielen gegeneinander. Zuerst zu dir René als Neutrainer bei den Sachsenwerklern. Wie war dein Eindruck.

René: Es war schon eine besondere Situation in diesem Turnier, das die beiden Dresdner Team aufeinander treffen. Das der Neutrainer gegen den Alttrainer ran muss. Aber die Trainer haben es noch am lockersten gesehen von allen. Haben das auch entsprechend angesagt, dass es eben ein schönes Spiel werden soll. Es war dann auch ein Spiel auf Augenhöhe, bis zu einem gewissen Punkt. Am Anfang haben wir es ganz gut geschafft, Federica aus dem Spiel zu nehmen. Indem wir die Bälle auf die Außenpositionen gespielt haben. Mit zunehmender Spieldauer fiel uns das immer schwerer, da unser Spiel ungenauer wurde. Da zeigten sich die ersten Konditionsprobleme. Uns gelang es nur noch die Bälle zurück zu spielen. So kam Federica mehr ins Spiel und konnte ihre Klasse ausspielen. Bis zum 8:8 konnten wir gut mithalten. Ab dort konnte Löbtau dann seine Routine ausspielen, die diese Mannschaft besitzt, auch wenn einige Spielerinnen lange nicht gespielt haben. So konnten sie das Spiel dann in ihre Richtung drehen und auch gewinnen. Es war für mich trotzdem ein Spiel auf Augenhöhe. Mir und meinen Mädels hat es Spaß gemacht. Auch wenn wir es gern noch etwas enger gestaltet hätten und gern über 12:12 gegangen wären. Dort hat man dann aber auch gesehen woran wir noch arbeiten müssen. Uns fehlt es an der Kondition und der Genauigkeit der Schläge über das gesamte Spiel. Da das Turnier in Dresden eines der wenigen in Europa ist, wo über die komplette Distanz von 13 Sätzen gespielt wird, zeigen sich auch solche Schwächen.

Man muss ja auch sagen, Laszlo hatte einen Vorteil. Da er ja die Sachsenwerker bis vor wenigen Wochen trainierte, kannte er die Stärken und Schwächen des Gegners genau. Am Anfang des Spieles konntet ihr das noch nicht so ausnutzen. Oder woran hat es da gelegen?

Laszlo: Es war schon komisch. Ich kenne die Mädels ja nun ziemlich genau. Ich habe sie zu dem gemacht, was sie jetzt spielen. Ich habe meinen Mädels auch sehr wenige Anweisungen gegeben. Ich habe nur gesagt, dass sie ihr Spiel ausspielen sollen. Und habe mich selber sehr zurückgehalten. Es war sehr ruhig am Spielfeldrand. Wir zwei, René und Ich, sind normalerweise die Lautesten. Wir haben uns auch nicht so über Punkte und Sätze gefreut, sondern mehr über gelungene Einzelaktionen. Mir selber war es unangenehm. Weniger wegen der Mädels, das sie gegeneinander spielen mussten. Sondern mehr weil ich wusste, dass dieses Spiel unter besonderer Beobachtung stand. Für mich war es ein besseres Trainingsspiel. Und am Ende war es so, dass bei meiner Mannschaft Jahre mehr an Erfahrung auf dem Feld standen. Was am Ende auch den Ausschlag gegeben hat. Ich wusste, dass eine Sophia irgendwann technisch unkonzentrierter wird, welche Bälle Patricia spielen kann und das Anne irgendwann die Luft ausgehen würde, wenn wir sie jagen. Das ist einfach so. Und damit sind wir mit zunehmender Spieldauer besser ins Spiel gekommen. Meine Mädels sind es gewohnt, sehr stark angeleitet zu werden. Auch ein Fehler, den ich in den letzen Jahren oft gemacht habe. Und wenn dieses nicht kommt, fangen sie an zu schwimmen. Das war auch in diesem Spiel bei meinen drei Mädels so. Damit lagen wir zwischendurch auch mit 4:7 hinten. Durch mehr Erfahrung und Kontinuität konnten wir das Spiel dann drehen. Am Ende war es dann ein Sieg, den wir auch wiederholen könnten. Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber in dieser Konstellation sind wir in Löbtau erfahrener. Und nicht nur eine starke Federica auf der Mitte, sondern auch zwei Spielerinnen auf den Halbpositionen, die genau wussten, was sie wollten. Das fehlt den jungen Spielerinnen von Sachsenwerk noch etwas. Es tut mir leid für den Verein, dass es nur der 4. Platz geworden ist. Als Hausherr wäre man sicher gern weiter vorn gelandet. Aber ich kann es ja meinem Team schlecht verbieten ihr Spiel durchzubringen.

Rene: Das muss man auch neidlos anerkennen. Es war trotzdem ein schönes Spiel.

Laszlo: Ja, das war es zweifellos.

Das es ja vielleicht in Zukunft häufiger geben wird?

Laszlo: Dann aber mit neuen Konstellationen. Mandy, die bei diesem Turnier dabei war, ist keine Dauerbesetzung. Wir holen uns da jetzt keine Profis zusammen. Sondern versuchen neue, junge Spielerinnen zu gewinnen und zu integrieren. Mal schauen, wie das dann funktioniert.

Rene: Ich denke, die Konstellation wie es jetzt in Dresden ist, kann für den Tamburellosport nur von Vorteil sein. Zwei Vereine, die relativ auf Augenhöhe sind. Wobei in Löbtau die Erfahrung noch etwas überwiegt. Beim SV Sachsenwerk können die Spieler und Spielerinnen, die bisher in der zweiten Reihe standen jetzt zeigen, dass auch sie auf diesem Niveau spielen können. Sie können sich im Training anbieten und in die ersten Mannschaften drängen. Ich hoffe, dass die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen funktioniert. Die beiden Trainer sind da ziemlich einer Meinung, dass es ein Weg nach vorn ist. Auf dieser Ebene wird die Zusammenarbeit auch funktionieren. Ich hoffe wir können den Rest der Vereine mit einbinden, und damit den Dresdner Tamburellosport in Deutschland voranbringen, um auch international mitreden zu können. Meine Meinung ist, dass die Entscheidung die jetzt in Dresden getroffen wurde, mit dem zweiten Verein nur gut sein kann.

Laszlo: Ja, wir werden uns gegenseitig hochpuschen. Wir werden öfter gegeneinander spielen. Das war eines der Ziele der Neuausrichtung. Wir können da sehr stark von den Katalanen lernen. Die haben sich vor einigen Jahren sehr stark aufgesplittet. Haben dann sehr häufig gegeneinander gespielt. Eine eigene kleine Liga entwickelt und sich damit gegenseitig voran gebracht. Und seit einiger Zeit spielen sie regelmäßig in Europa mit um die ersten Plätze.

Ich denke das war ein gutes Schlusswort für dieses Interview.