„So krank wie ich…“ Ringo Sobiella – Der unermüdliche Tamburello-Freak im Interview

Tamburello scheint er im Blut zu haben. Seit seiner ersten Begegnung, lässt der Sport ihn nicht los. Wie es dazu kam, erfahrt ihr hier.

546054_3571162717668_1231012042_3616707_1337415549_nÜber 7 Jahre Tamburello in Dresden. Gratulation für deine Leistung. Aber bei dir fing es ja etwas eher an. Erzähl uns mal von deinen ersten Berührungen mit der Sportart.

Ende 2003 habe ich meine 12- jährige Handballkarriere an den Nagel gehängt, da dort einige Team aufgelöst wurden. Dann war natürlich das Ziel etwas Neues zu suchen. Wer einmal Leistungssport gemacht hat, weiß, dass man bei 3 Mal in der Woche Training und fast jedes Wochenende Punktspiel, nicht so einfach „Garnichts“ machen kann. Bei dem Sportangebot, was einem heutzutage geboten wird, ist es natürlich schwierig sich zu entscheiden. Damals wollte ich zusammen mit meinem Kumpel Rayko etwas anderes machen und nicht eine Sportart, die jeder macht. Zufällig ist Rayko dann eingefallen, dass er mal auf einer Messe diese Sportart gesehen hat, aber keinen Namen mehr wusste. So hatte er es sich dann zur Aufgabe gemacht, nach dieser „unbekannten“ Sportart zu suchen. Nach fast 2 Wochen rief er mich an und teilte mir mit, dass er jetzt weiß, wie diese heißt: „Tamburello“!
Wir beschlossen, uns kurzerhand 4 Schläger zu kaufen und in der Freizeit für uns selbst mit dem Sportgerät auseinander zu setzen. Wir spielten im Großen Garten oder auch bei schlechtem Wetter im Fitnessstudio. Dort versuchten wir zunächst selbst Sicherheit in den Ball und den Schläger zu bekommen. Als wir uns einigermaßen Bälle zuspielen konnten, fingen wir an, weitere Leute zu animieren, diese Sportart mal zu probieren.
Es war sehr schwer, aber es ging. Wir waren froh, als wir mal ein oder zwei neue Leute bei unseren regelmäßigen Trainingseinheiten begrüßen konnten. Nach ungefähr einem Jahr musste Rayko beruflich von Dresden wegziehen. Somit stand ich mit der Idee, diese Sportart zu verbreiten, alleine da. Die bis dahin neuen Leute wollten nur spielen und hatten keinen Trieb die Sportart bekannter zu machen, da dies ja mit viel ehrenamtlichen Einsatz in der Freizeit verbunden ist. Also entschloss ich mich, trotz des Rückschlags, weiterzumachen und diese Aufgabe hier in Dresden in Angriff zu nehmen. Erste Gespräche mit dem SV Sachsenwerk haben Rayko und Ich noch gemeinsam gemacht, aber dann öfter aus verschiedenen Gründen etwas verschoben. Bei mir stand auch beruflich ein Jobwechsel an, sodass ich erst dort sicher Fuß fassen wollte.
Nebenbei versuchte ich trotzdem weiterhin neue Leute zu werben. Mit Erfolg! Bis 2005 konnte ich bereits 10 Leute damit begeistern. Als der Einstieg in meinen Job erfolgreich war, konnte ich mich ab 1.1.2006 offiziell dem SVS mit der neuen Abteilung Tamburello in meiner Freizeit widmen. Ab da an ging es steil bergauf. IMG_3470

Woran liegt es, dass es in Gesamtdeutschland nicht solch eine vorbildliche Entwicklung des Tamburellos gibt, wie in Dresden?

Ich denke, das liegt einfach daran, dass zu wenig Zeit investiert wird, um die Sportart bekannter zu machen bzw. den Leuten der Spaß daran nahe gebracht wird. Oder auch, wenn es einzelne Leute gibt die gern etwas aufbauen möchten, aber denen nicht ausreichend Hilfe dabei angeboten wird. Es sind ja nicht alle so „krank“ wie ich und erarbeiten sich das alles alleine. Es ist viel Arbeit, vom selbst erlernen und aneignen bis hin zur Gründung des Vereins.

 Was muss sich ändern, damit der Sport in Deutschland überleben kann?

Ich denke, es muss viel Kraft und vor allem ehrenamtliche Zeit investiert werden, um diese Sportart in Deutschland flächendeckend zu verbreiten. Das heißt, viele ehrenamtliche Helfer, die sich für den Sport einsetzen wollen! Ein super Beispiel dafür findet man in Sachsen. Hier ist der Sportverein Sachsenwerk e.V mit der Abteilung Tamburello in Dresden, der größte und aktivste Verein in ganz Deutschland. Dieser arbeitet seit 2006 sehr erfolgreich und taktisch an der Verbreitung, sowie am Bekanntheitsgrad dieses Sports.

Was gibt dir die Motivation, nach so vielen Jahren immer noch so aktiv an der Abteilungsentwicklung zu arbeiten?

Das frag ich mich manchmal auch. Aber ich hatte in den letzten Jahren auch viele Tiefpunkte. Manchmal sah man dies mir an, andermal nicht. Aber das Ergebnis, die vielen neuen Mitglieder zu sehen, die Spaß an dieser Sportart haben, sowie national und international erfolgreich wurden, hat mich immer wieder erneut aufgebaut. Auch die jungen Kids im Verein haben mich sehr bewegt. Und ich wollte den Kindern ihre Träume nicht zu Nichte machen, nur weil ich wieder mal wieder down war. Also machte ich weiter, mal für den Verein, mal waren die Kinder mit ihrem Lächeln der Energieschub, der mich wieder auf das richtige Gleis gebracht hat. Es gab immer wieder einen Weg. Und ich bin froh, dass ich diesen bis heute beibehalten habe. In den letzten Jahren habe ich nicht nur viele neue Mitglieder gewonnen, sondern auch sympathische und vertrauensvolle Menschen, die mich bei der Arbeit im Verein sehr unterstützen. Danke an diese Stelle an diese!

DSC_0580Du lebst 24 Stunden am Tag für den Verein. Gibt es da noch andere Gedanken in deinem Leben?

24 Stunden? Hmm, wie kommst du darauf? Oh stimmt, es muss was dran sein, es ist ja schon wieder 0:15 Uhr.
Naja, ich mach viel für den Sport und den Verein, das stimmt. Aber wenn ich nichts machen würde, wären wir noch nicht hier wo wir jetzt sind. Ich muss aber ehrlich gesagt auch mal mehr an mich denken und etwas mehr die Damenwelt beobachten. Immerhin werde ich ja nicht jünger. Und etwas anders außer nur Tamburello tut mir, denke ich, auch gut.

Blicke mal 15 Jahre in die Zukunft und beschreib mal die Entwicklung von Tamburello in Deutschland und Europa.

Das ist eine sehr gewagte Prognose. Ich denke, wenn alle Vereine in Deutschland dieselbe Energie wie Dresden in den Sport stecken, könnten wir in 15 Jahren recht bekannt sein. Aber da hierzu viele Freiwillige und vor allem Ehrenamtliche benötigt werden, sehe ich das Ganze eher skeptisch, da diese Leute einfach bisher fehlen, vor allem in ganz Deutschland verteilt. Ich denke, der Sport wird auch in 15 Jahren nach aktuellem Stand in Deutschland nicht viel weiter sein. Die Vereine aus Sachsen, die mit den Dresdnern zusammen arbeiten werden, denke ich, es schaffen innerhalb dieser Zeit eine eigene Sachsenliga aufzubauen. Vereine deutschlandweit, die den „Machern aus Dresden“ vertrauen und eng zusammen arbeiten, werden auch hier in diesem Zeitfenster große Vorschritte machen können. In Europa sollte auch mehr gemeinsam zusammen gearbeitet werden und genauso wie national eine einheitliche Linie verfolgt werden, die sich auf alle Varianten des Tamburello bezieht.
Nur so können wir die Sportart in all seiner Vielfalt für eine große Breite an interessierten Sportlern/Innen anbieten und gemeinsam voranbringen.

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