„Ich schreie meine Emotionen frei heraus!“ TamburelloTimes im Gespräch mit David Sobiella

61732_1389000213778_1668433_nKaum ein anderer Spieler in Deutschland ist mit soviel Herzblut bei der Sache, wie David Sobiella von Tamburello Dresden. Im Interview für TamburelloTimes spricht er über Freud und Leid in den letzten Monaten und redet Klartext über die Situation des Tamburello in Deutschland.

Du kommst ja grad aus Barcelona vom Beachen zurück…

Vom 7. Katalanischen Tambeach Turnier.

Da hast du auch einiges erreicht.

Ja, den 1. Platz im Herren-Doppel und den 4. Platz im Mixed.

Dann erst mal herzlichen Glückwunsch! Was unterscheidet ein solches katalanisches Turnier von einem deutschen Turnier, beispielsweise das Berliner Beachen?

1236243_683736671654035_2110697848_nIch habe in Barcelona eine extreme Gastfreundlichkeit gespürt, die ich von deutschen Turnieren in dieser Intensivität nicht kenne. Das ganze Flair hat natürlich dazu beigetragen. Das Turnier war direkt am Strand mit guter Musik und einem hohem Funfaktor, wobei die Wettkämpfe dem Ganzen den Kick geben. Dazu kommt, dass dort kein „Einzel“ gespielt wird, was dadurch das Teamgefühl steigert. Abends wird dann noch lange zusammen gesessen und viel geredet. Jeder redet mit jedem, ohne dass es im exzessiven Trinken ausartet. Und jedem sieht man den Spaß an der Sache und vor allem den Stolz, eine solche Sportart auszuüben.

Deine letzten Monate waren insgesamt sehr erfolgreich…

Es geht wieder aufwärts.

Vor kurzem erst der Weltmeistertitel mit Philipp Bahner im Doppel und jetzt diese Beacherfolge. Kann man das gerade als Hochphase bezeichnen?

DSC_0454Ich merke so langsam, dass es wieder aufwärts geht. Zwischendurch hatte ich ein ziemlich starkes Tief, wo nicht viel lief und ich mich auch gerade durch die letzte Deutsche Meisterschaft in Rostock selbst fertig gemacht habe, weil wir in meinen Augen im Finale eine große Pleite erlitten haben. Dazu kam noch die letztjährige 0:13 – Niederlage gegen das Team aus Barcelona beim Oktoberturnier in Dresden. Das war sehr hart und ich hatte das Gefühl, dass wir viel aufzuholen haben. Das hat mich auch zu dem Entschluss gebracht, das Traineramt niederzulegen und mich auf das Spielerische zu konzentrieren. Ich habe mich dadurch bei der Deutschen Meisterschaft schon wohler gefühlt und auch gesehen, dass wir wieder enger zu Köln aufgeschlossen haben. Dort war alles offener und freier in meinem Kopf. Dann kam der WM – Titel und nun eben die Erfolge beim Beachen in Barcelona. Ich konnte meine mentale Blockade überwinden und habe den Spaß wiedergefunden. Es läuft momentan ganz gut.

Der Grund für deine Entscheidung als Trainer zurückzutreten, war also ein Entschluss für dich selbst?

Ich war insgesamt mit der Gesamtmotivation der Männermannschaft unzufrieden. Es lief zu meiner Trainerzeit nicht wirklich gut. Viele meinten, dass das Training nicht so läuft, wie es sollte. Sie zogen dann nicht mehr mit und konnten meine Leistungsanforderungen nicht nachvollziehen. Auch meine eigenen Leistungen brachen zusammen, sodass ich nur noch die eine Lösung sah, um mich auch mal wieder um meine eigenen spielerischen Fähigkeiten zu kümmern. Ich hatte auch das Gefühl, dass etwas der Respekt mir gegenüber fehlte, sodass ich die Doppelfunktion beendete.

In deinem Motivationshoch hast du nun ja leider die Absage für 1. Indoor Weltmeisterschaft erhalten. Wie stark trifft dich das nun oder zieht dich runter?

Ich kämpfe weiter. Natürlich trifft mich die Absage nun, da ich ja auch schon bei der 1. Indoor Europameisterschaft in Ungarn dabei war. Es war meine größtes Ziel dieses Jahr, wieder für Deutschland spielen zu können. Gerade wenn man hört, welche Nationen teilnehmen wollen, wäre ich schon gerne dabei. Aber eben solche Schläge motivieren mich dann für das nächste Mal.

Wie möchtest du dein Dresdner Team, deine Mitspieler motivieren, damit mal wieder eine Europacupteilnahme rausspringt?

Ich bin auf dem Feld ein sehr emotionaler Mensch und schreie meine Emotionen auf dem Feld frei heraus, was ich schon als Motivation für meine Mitspieler ansehe. Wenn sie sehen, dass jemand emotional so stark mitgeht, motiviert das schon sehr. Meine Mitspieler wissen ja auch, um was es geht, sodass wir jetzt in zahlreichen Spielsequenzen im Training das Teamgefühl steigern und eine neue Spielstärke entwickeln wollen.

DSC_0711Wo siehst du das deutsche Team im Vergleich mit den anderen teilnehmenden Nationen bei der Weltmeisterschaft?

Das wird stark von der Gruppenkonstellation abhängen und natürlich den nun wirklich teilnehmenden Ländern. Ich sehe jedoch Deutschland nicht unter den ersten 5 Platzierungen. Um den Titel werden wieder die beiden Favoriten aus Italien und Frankreich kämpfen. Platz 3, 4 und 5 werden sich wohl die Teams aus Brasilien, Katalonien und Spanien sichern, wobei ich die Südamerikaner sogar auf dem Niveau von Frankreich sehe, wie ich im Freundschaftsspiel zwischen Katalonien und Brasilien am Rande des Beachturniers in Barcelona eindrucksvoll demonstriert bekam.

Was muss also Deutschland nun anders machen, um noch mithalten zu können?

Die Konzentration in Deutschland muss endlich von den Beachturnieren weg. Es werden einfach zu viele davon ausgetragen und nur Dresden als Einziger regelmäßig ein Indoor-Turnier austrägt. Zusammen mit der Deutschen Meisterschaft reicht es nicht aus, um Erfahrungen zu sammeln. Vielleicht müssen auch einfach mal Mix-Mannschaften, bestehend aus mehreren Clubs gebildet werden, die häufiger zu internationalen Turnieren fahren, um so ein Teamgefühl zu entwickeln. Warum sollte man nicht einfach mal solche Teams zusammenstellen, gerade aus Dresden und Köln, um sich gegenseitig spielerisch besser kennenzulernen und sich aufeinander einzuspielen. Zu viele Clubs konzentrieren sich auch zu sehr auf Tambourelli und Beach. Besonders ärgert mich da persönlich das Team aus Berlin, die für mich immer zu den wichtigsten Clubs für die Verbreitung des Tamburello in Deutschland waren. Ich habe dort damals meine ersten Indoor- Erfahrungen gesammelt, und wenn man jetzt dort schaut, geht da personell nicht viel vorwärts. Es kreist zurzeit nur noch um Köln und Dresden, wobei es eben da einfach das Problem der Entfernung gibt, wodurch sich beide Teams sehr selten sehen. Wir brauchen eine stärkere Einheit, mehr Spieler und vor allem mehr Unterstützung vom Deutschen Verband geben. Seit es den Deutschen Verband gibt, habe ich in dieser Richtung nicht wirklich viel Arbeit gesehen.

DSC_0478Du hast jetzt beim Beachturnier in Barcelona auch die Möglichkeit gehabt, „Tamboreo“ zu probieren. Was ist daran jetzt so faszinierend anders.

Definitiv beeindruckend ist der Schläger. Diesen Vollholzschläger habe ich 2010 schon in Les Pennes gesehen, da dort zwei befreundete Brasilianer diesen mithatten. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, den Schläger auszuprobieren und es ist total gegensätzlich zu den herkömmlichen Tamburello-Schlägern. Besonders der Sound beim Schlagen ist ungewöhnlich. Bei jedem Schlag hat man das Gefühl, dass die Schlagfläche zerbricht. Er hat weniger Power, ist dafür aber mehr für Taktik ausgelegt auf dem ungewohnten Beachfeld. Auch viele andere Personen, die es ausprobiert haben waren sehr interessiert.

Danke für das Interview, David und weiterhin viel Erfolg!

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